Weltwärts Frösche

*Eintrag vom 24.10.12*

Am Wochenende besuchte ich die nah am Pazifik gelegenen Stadt Leon, die  nach der Hauptstadt Managua die größte Stadt im Lande ist. In dieser Stadt kam ich das erste mal dem Wort „Kulturschock“ in Berührung. Aber es war nicht das Neue das mich schockierte, sondern das „altbekannte“ das sich in einem unerhörten Umfeld befand.

Es war der erste Nachmittag als ich alleine die Innenstadt Leons erkundete und auf einmal einen Supermarkt entdeckte. Einen echten Supermarkt, als ich eintrat war ich in einer anderen Welt. Klimaanalage. Temperaturen wie in Deutschland und die Auswahl! Ich glaube der Supermarkt war sauberer, sortierter als ein großer Edeka. Ich hätte Nutella, verschiedene Käse- und Rotweinsorten kaufen könne. Sachen die ich über zwei Monaten nicht mehr gesehen habe. Anscheinend habe ich mich zu schnell  an Somoto gewöhnt, dass ich nur noch wie ein Zombie durch den Laden gewandelt bin und ohne ein Peso(Cent) auszugeben wieder raus gestolpert bin. Irgendwie passt sowas nicht in meine Bild. Nicht weit entfernt halten sich die ärmsten Familien mit Tortilla und  Salz am Leben, mit Glück gibt’s Bohnen dazu.

Mit der Zeit bin ich aber wieder mehr in die Konsumwelt eingetaucht. Es fing mit einer  französische Bäckerei an (ich traute meinen Augen nicht als ich ein Schokocroissant entdeckte), auf den bunten Straßenmärkten gab es für umgerechnet 4€ wunderschöne  Ledersandalen und auf dem Stoffmarkt wurde ich auch fündig. Eine Stadt der Kontraste: da ist eine riesige Kathedrale aus der Kolonialzeit prunkvoll eingerichtet, daneben versuchen Jugendliche als Fahrradchauffeur ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. In Leon ist man eine richtige Touristin und wird auch so behandelt, wie die ganzen „Cheles“ um einen rum auch. Es gibt Restaurants wo sogar Wienerschnitzel und Heineken serviert wird. Auch wenn ich von Pizza und Feiern profitiert habe, irgendwie ist es für mich seltsam zwischen den Kontrasten zu leben. Samstag haben wir den Tag am Strand verbracht und Sonntag hat die aus verschiedenen Städten zusammengereisten Freiwilligen-Gruppe von inzwischen 15 Personen auf einer Tour in die Umgebung, ihr Touristendasein unterstrichen. Mir ging das gegen den Strich. Es wurden Echsen rumgereicht und fotografiert…

Danach sind wir Snowboarden gegangen. Okay, fast. Der Schnee war schwarz und unglaublich mineralreich. Der Eigentümer dieses seltsamen Schnees nennt sich Vulkan Cero Negro, den wir Stück für Stück erklommen haben. Es war wieder wie eine andere Welt, wo es nur Staub, Asche und Vulkangestein gibt, vielleicht ist die Kulisse auf dem Mond ähnlich? In der Ferne bietet eine vielfältige Vegetation, die von den Vulkanmineralien profitiert hat eine wunderschöne Aussicht. Ein wunderschöner natürlicher Kontrast, hier fühle ich mich wieder wohler.

Wir steigen weiter „vulkanauf“, auf unseren Schultern befinden sich rechteckige Boards und auf unseren Rücken mysteriöse unbekannte Rucksäcke. Oben angekommen raucht und schwefelt der schwarze schlafende Riese zur Begrüßung  und lässt uns bereitwillig über die erkaltete Kraterkruste stiefeln. Danach werden die mysteriösen Rucksäcke entlarvt und aus jedem schlüpft ein grüner Ganzkörper-Sicherheitsanzug. Nur ein paar Minuten später mit Adrenalien voll gepumpt, stürzt sich eine wild gewordener Horde Frösche die steile Vulkanpiste hinunter. Es wird gerodelt, gesurft, geschliddert und gejodelt. Der eine oder andere Frosch hüpft ausversehen von seinem Board, aber alle kommen heile, glücklich und mit einem von Asche schwarzen Gesicht unten an.
Weltwärts-Frösche mit schwarzen Bärten und zu dunkel geschminkten Augen bereichern jetzt das Landschaftsbild.
Ihre Frosch Qualitäten werden sie zwei Wochenenden später wieder im Canyon erproben, wo der eine oder andere bis zu 15m den Canyon runter hüpft… davon aber ein anderes mal mehr.

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