Letzter Blogeintrag aus Nicaragua – Adios!

 

Mein Jahr in Nicaragua neigt sich dem Ende zu. Heute genau in drei Wochen werde ich wieder das große Gelände mit der weißen gläsernen Gebäudes betreten, dass mich an eine große Konzerthalle erinnert. Die Buchstaben von „Augosto C. Sandino“, der Name des Flughafens werden mir entgegen schimmern und ich werde meine letzten Cordoba  vermutlich für den typisch gesüßten Cafe in Nicaragua lassen, bevor ich in das Flugzeug steige, dass mich wieder zurück in meine nordische Heimat bringt…

Was in der Zwischenzeit passiert ist?

In den letzten vier Monaten habe ich keinen Blog geschrieben und bei all denen, die trotzdem zwischendurch geschaut haben und nichts vorfanden, möchte ich mich entschuldigen.

Ich kann selber auch nur Theorien aufstellen, warum ich den Blog nicht aktualisiert habe. Vielleicht habe ich mich so sehr an mein Umfeld gewöhnt, dass ich es nicht mehr als interessant genug erachtet habe, von meinem Alltag zu berichten? Hatte ich was Spannenderes zu tun als meine Zeit konzentriert am Computer zu verbringen? Kritisiere ich mich selber zu sehr für die Selbstdarstellung? War ich einfach zu faul, mein gedankliches Kopfchaos in öffentlichkeits-taugliche Sätze zu transformieren? Ich denke die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.

Jetzt baumle ich zumindest entspannt in meiner Hängematte und bereite mich mental darauf vor bald wieder in Deutschland zu sein. Ich stelle mir eine Käseplatte vor, fließend warmes Wasser, und meine lieben Menschen, die ich nach einem Jahr endlich wieder in den Arm nehmen darf…

So lasse ich ein Jahr Nicaragua Revue passieren und kann nur feststellen, dass ich in jeglicher Hinsicht sehr viele positive Erfahrungen machen durfte und einfach auch sehr viel Glück gehabt habe.

In meiner Gastfamilie, von der ich am Anfang mal berichtet habe, bin ich die ganze Zeit zufrieden wohnen geblieben und sie werden mir wohl den Abschied hier auch etwas schwerer machen. Ja es ist wie mein nicaraguanisches Zuhause, wo man zusammen lachen und sich auch gegenseitig mal eine Sorgenfalte wegstreichen kann.

Auch für das was ich hier an deutscher Unterstützung durch meine Mitfreiwilligen mitbekommen habe, bin ich sehr dankbar. Insgesamt haben die meisten aller Freiwilligen die Eigenschaft sehr sympathisch zu sein, aber ausgerechnet hier oben im Norden habe ich wirklich ein Prachtexemplar an Freiwilligen und Mensch abbekommen. Es ist als ob man einen Jahresbruder bekommt, von dem man lernt, mit dem man von anfänglicher Sprachbarrikade, über die Projekte bis hin zu Wochenend-Ausflügen alles teilt. Man genießt zusammen die schönen Momente, man meistert die miesen Tage, man darf sich auch mal an nerven und kann danach wieder lachen.

Ein Carsten, eine Alina, ein Jahr zusammen in Somoto, das ich nicht missen und nie vergessen werde. Danke!

Auf meine „Arbeitswelt“ kann ich auch zufrieden zurück blicken. Mein Projekt mit der Aidsprävention hat niemals so stattgefunden, wie es angekündigt war, aber ich bin wirklich nicht böse drum. Ich habe viele Freiheiten und Rechte bei meinem Arbeitsplatz genossen, um eigene Ideen und Projekte umzusetzen, die ich zu guter Letzt oft nur mit Eurer Unterstützung realisieren konnte.

Nach dem wir das Möbelbauprojekt für die Escuelita del Mercado erfolgreich abgeschlossen haben, war von der Holzkohle noch genügend da um weitere Projekte zu starten.

Zwischendurch haben wir in einer Communidad oben in den Bergen, an der Grenze zu Honduras, gearbeitet, wo es Strom nur begrenzt gibt und viele Räume sind dunkel und ohne Fenster. So war die Idee, angelehnt an ein verbreitetes Entwicklungszusammenarbeits-Projekt, transparente Plastikwasserflaschen in das Dach einzubauen, so das Tageslicht in den inneren Wohnraum reflektiert wird. Mit Hammer, Meißel, Draht und Dachkleber bewaffnet haben wir zusammen mit den Bewohnern auf dem Dach gearbeitet und durften sogar in eine Kirche zwei „Flaschenlichter“ über den Altarraum einbauen.

In der Escuelita del Mercado ging es natürlich auch normal mit Englischunterricht und Hausaufgaben- und Lern Betreuung weiter. Ein paar Mal war ich auch wieder in der Tischlerei um Spiele für die Kinder zu basteln, wie zum Beispiel ein Memory zum Englisch lernen.

Des Weiteren ist auch ein wenig „Holzkohle“ weiter an die Projekte gegangen, die über meinen Mitfreiwilligen Carsten mit der Feuerwehr in Somoto laufen. Material für Sicherheitskurse, sowie Fahrtkosten für die Fahrt in die Hauptstadt Managua um gespendete deutsche Feuerwehrausrüstung aus dem Zoll zu boxen hat die „Holzkohle“ noch gestemmt. (Mehr noch zu diesem Thema auf Carstens Blog: www.carstenmohr.com)

Zu guter Letzt haben wir noch ein wenig Kohle in Zement verwandelt und haben versucht uns für unsere Partnerorganisation etwas künstlerisch zu betätigen. Mit Glasflaschen und Scherben haben wir ein Mosaik an die Außenwand des Büros gepuzzelt. Das Motiv der  Ameise, die fleißig im Team arbeitet, ist das Symbol unser Partnerorganisation Movimiento Comunal Nicaragüense. Während unser Arbeit kamen oft Leute vorbei, staunten, fragten und ermutigten uns, nur bei der Gestaltung der Augen gingen die Meinungen sehr auseinander: Um die Pupillen zu puzzeln, hatten wir kein schwarzes Glas, so wählten wir als Alternative dunkelblaues Glas. Und da war das Gelächter am Ende groß: „Die hat ja blaue Augen, ein deutsche Ameise. Haha!“

Unsere Intention war es nun wirklich nicht, verbuchen wir es als dezentes Andenken an uns.

Meine Arbeitszeit war gemischt, zwischen bewegenden Projekten gab es auch diese Tage im Büro, wo man Buchstaben aus Pappe ausgeschnitten hat; bei Versammlungen Zettel und Stifte verteilt hat; stundenlang erklärende Bilder auf Styropor gemalt hat, die nach der Präsentation weggeschmissen werden, oder mal unmotiviert am Computer saß und sich wünschte ein amüsierendes Mail von Freunden, würde nie aufhören ohne dass man antworten muss.

Doch zum Glück konnte die Arbeit und Projektarbeit immer wieder mit entspannter und abenteuerreicher Freizeit ausbalanciert werden.Ich vermute, dass ich Nicaragua inzwischen viel besser als Deutschland kenne. Da das Reisen so günstig und Nicaragua so klein ist, glaube ich fast jede Stadt zu kennen, bin auf Vulkanen herumgestiefelt, habe per Pferd  Inseln,Berge und Wasserfälle erkundet, habe in einen Vulkan hineingeschaut, habe mit Affen um die Wette gebrüllt, habe am Strand gefeiert, bin durch den Urwald geschippert, Salsarythmen haben meine Beine zum Tanzen gebracht, habe an blauen klaren Lagunen die Seele baumeln lassen und habe dabei immer wieder unglaubliche interessierte gastfreundliche Menschen in Nicaragua kennen gelernt.

So gingen die Tage, Wochen und Monate ins Land. Ich war in Nicaragua angekommen, ich machte mir Essen, wenn ich Hunger hatte. Klemmte mich hinter ein Projekt, wenn ich einen guten Gedanken hatte, verfeinerte jeden Tag mein Spanisch und wirbelte selbstbewusst in dem Leben und der Kultur herum, das anfangs noch so fremd und einschüchternd war.

Ich habe gelernt, immer wieder über meinen Schatten zu springen; Situationen zu erkennen, wo ich anpacken kann oder die ruhen zu lassen, die ich nicht ändern kann; ich habe gelernt geduldig zu sein und zu improvisieren, ich habe täglich versucht meinen Kopf aufzuräumen, Denkmuster und Meinungen zu hinterfragen; habe meinen Blick für Unrecht, Ungleichberechtigung und Rassismus geschärft; habe ein Jahr lang die Kleinen Alternativen von Aldi, H&M, Amazon gelebt.

Kurzum,  habe ich das Gefühl sehr viele wichtige Sachen für mein Leben gelernt zu habe, die dreizehn Jahren Schulunterricht nicht vermitteln konnten. Lernen ohne Leistungsdruck, natürlichen Impulsen folgen und dabei seinen Horizont erweitern, das werde ich in Deutschland vermissen.

Und auch wenn mir sehr wohl bewusst ist, dass ich nicht alles richtig machen kann und man mich immer kritisieren kann und wird, glaube ich daran am Ball zu bleiben um zu etwas Besserem beizutragen. Und das heißt seine Komfortzone verlassen.

So werde ich in drei Wochen meine geliebte bunte nicaraguanische Komfortzone verlassen, zurückkehren und mich hinsetzen um dafür mal studieren. Wo, was, wann und wie hat sich noch nicht ganz entschieden.

Erst mal komme ich für ein paar Wochen zurück ins Münsterland und werde von da aus weiterschauen.

Wen ich von Euch da wohl wieder treffe?

Ich freue mich wirklich auf Euch!

Vielen Dank fürs Blog lesen, für die aufmunternden E-mails. Demnächst halte ich euch wieder persönlich auf dem Laufenden.

Liebe Grüße von Alina

Suchbild, ich habe mich meiner Umgebung angepasst. 😉

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Möbel

Liebe Möbelfreunde!

Hurra hurra, die Möbel sind fertig und Alina hat endlich mal geschafft sich wieder im Internet zu melden.

Ich danke nochmal herzlich auch im Namen der Kinder, dass wir dieses Projekt mit eurer Unterstützung realisieren konnten. DANKE DANKE DANKE!

Denn Prozess der Entstehungsgeschichte könnt ihr nachvollziehen:

Die nächsten geplanten Projekte sehen so aus:

  • Ich würde gerne dafür sorgen, dass drei Geschwister (15, 12 und 8 Jahre alt) lesen und schreiben lernen. Da mir dazu natürlich die Erfahrung fehlt, will ich gemeinsam mit meiner pensionierte „Nicatante“, die in den 80ern bei der Alphabetisierung mitgewirkt hat, zusammen einen Kurs für diese Kinder anbieten. Die Schulleiterin fand die Idee super und will auch die Eltern integrieren, damit die auch lesen und schreiben lernen. Ich hoffe, dass sich regelmäßig kommen und vielleicht auch so die Gewalt in dieser Familie weniger wird…Heute  habe ich noch ein Planungstreffen mit der Direktorin, danach kann ich von der Holzkohle Material (Hefte, Stifte, Knete…) kaufen. Mal schauen wie es sich an den neuen Möbeln lernen lässt.
  • Die Kinder in der Escuelita sollen (besser) Zähne putzen lernen, damit es weniger verfaulte Zähne gibt. Es gibt in der Escuelita leider genug Dreijährige, die schon wieder weniger Zähne bekommen. Im Idealfall stell ich mir, das wie in einem deutschen Kindergarten vor: Jeder hat seine eigenen Zahnputzbecher und Bürste mit Namen drauf (Holzkohle). In der Tischlerei will ich noch ein Wandboard bauen, so dass alles außerhalb der Reichweite der Kinder deponiert werden kann. Ein erklärendes Plakat mit Bildern will ich malen, am liebsten hätte ich noch so ein großes Plastikgebiss zum erklären.
  • Ein anderes Projekt möchte ich mit Carsten  realisieren, „Flaschenlicht“ heißt es. Hier bei werden gefüllte alte  Plastik-Wasserflaschen in Wellblechdächer integriert. So wird das Tageslicht effektiv durch das Wasser gebrochen und kann in dunkle Hütten ohne Fenaster scheinen.
  •  Des weiterem gibt es noch mehrere kleinere Projekte, wie z.B. aktive Übungsspiele zu entwerfen,  die für den Praxisteil der  „Ersten Hilfe Kurse“ von Carsten dienen sollen. Ein Wandbild aus Müll zusammen mit den Kiddies an die Schulwand bauen. Und unser Chef wünscht sich das Logo unserer Organisation an der äußeren Bürowand…

Ich hoffe, dass ich alle Projekte bis Ende meines Einsatzes zufriedenstellend und nachhaltig am laufen habe, sodass diese einige von allein noch weiter bestehen können. Die meiste Kraft benötige ich dabei oft, verbindliche Verabredungen mit den Nicas zu treffen. Denn das Vorurteil „komme ich heute nicht, komme ich morgen“ hat sich leider zu oft bestätigt. Immer öfter merke ich, wie ich selber dazu neige mich in dieser Hinsicht anzupassen. „Ach trinken wir doch noch einen Cafe, bevor wie wieder anfangen zu arbeiten. Die anderen sind doch sowieso auch zu spät.“ Schwierig. So ist das Leben.

Wenn am Ende des Jahres noch „Holzkohle“ übrig bleibt, möchte ich diese an das Münsteraner Ernährungsprojekt spenden, dass hier vor Ort durchgeführt wird und an dem ich ab und zu auch mitarbeite.  (Mehr Infos unter  http://www.amigos-ev.com/ , ein vertrauensvolles Projekt dass auch immer Unterstützung braucht)

Wer noch mehr hören mag, darf gerne fragen. Ich freue mich von euch zu lesen und zu hören!

Liebe Grüße aus dem Sommer. 😉

Von Ometepe bis Weihnachten

Es war soweit, Urlaub war beantragt und drei Somotenos (Carsten, Merlin und Alina) waren Urlaubsreif. Die erste Station hieß Ometepe, eine in dem Nicaraguasee gelagerte Vulkaninsel mit knapp 20.000 Einwohnern und einer einmaligen Natur.

Zum 21.Dezember war direkt am Ufer das 3 Tägige „Magma- Festival“ ausgerufen, um den angeblich bevorstehenden  Weltuntergang gebührend zu zelebrieren. Im Angesicht des Vulkanes vermischten sich die Zelte der Nicas mit Cheles und Gringos( also Weiße aus Europa und den USA) und Besuchern aus Costa Rica und Panama. Die interkulturelle Menge bewegte sich drei Tage lang zu Elektronik und Reggae Rythmen und verbrachte ein friedliches Weltende miteinander. Auf einen Vulkanausbruch oder einen Weltuntergang warteten wir jedoch vergeblich, dennoch haben wir jeden Tag so gefeiert als ob es der Letzte wäre.

„Das Leben feiern“ galt so auch noch weiter für jeden weiteren Tag unseres Urlaubes.Vielleicht können die folgenden Fotos die Atmosphäre wiederspiegeln:

(mehr Bilder gibt es in der Fotogalerie, die aktuellen werden immer oben angezeigt, dann müsst ihr nicht so lange scrollen ;))

Nach dem Festival fuhren wir wieder zurück in den heimatlichen Norden, um mit unserer Gastfamilie zusammen Weihnachten feiern zu können. Merlin und ich haben (generell und vorallem zu Weihnachten) mit unsere Gastfamilie sehr Glück gehabt, denn viele Freiwillige standen als gefühlte Weihnachtsmann Karikatur mit vielen Geschenken vor ihrer Familie und es wurde aber gar nicht gefeiert.

Den gleichen Eindruck hatte ich zuerst auch, jedoch um 22:00Uhr wurde Weihnachten noch gerettet. Es war schon dunkel als wir mit unser feierlich heraus geputzten 14 Köpfigen Familie los Richtung bunt und kitschig geschmückten Kirche zogen, in der die meisten Kinder schon auf den Schößen der Eltern einschliefen. Doch auf dem Rückweg wurde selbst mein kleiner Gastbruder Alejandro wieder munter und hopste zwischen Merlin und mir durch die Straßen. Schließlich fehlte jetzt nur noch eine Stunde bis Mitternacht bis endlich endlich die verlockenden Geschenke unter dem Weihnachtsbaum geöffnet werden durften. Vorher wurde aber endlich zu Abend gegessen. An einer langen  weihnachtlichen Tafel saßen wir alle und es gab einen traditionellen Eintopf mit Rindfleisch und einheimichen Gemüse, dazu ein Glas Rotwein. Ein sehr festliches Essen, man sollte dabei aber nicht wie ich, dem Käsefondue hinterher trauern, dass ein paar Stunden vorher in meiner deutschen Familie verspeist wurde. Auf das werde ich wohl noch ein Jahr warten müssen, denn jeglicher bezahlbare Käse gleicht hier Fetakäse und ist reichlich ungeeignet für Fondue. Trotzdem wurde es mit „Feliz Navidad“ aus den Computerlautsprechern und eingeschickten Spekulatius sehr weihnachtlich gemütlich. Um Mitternacht waren die Kinder kurz vorm durchdrehen, dennoch leuchteten die Augen um so mehr als es nach einem Gebet um den Weihnachtsbaum endlich soweit war. Alle haben abgesahnt und während wir uns langsam ins Bett verzogen, spielten die Zwerge noch fröhlich bis drei Uhr morgens weiter.

„Holz-Kohle“ – was daraus geworden ist

Es ist Winter in Deutschland, Winterreifen werden aufgezogen, Fenster  mit Lichterketten dekoriert und der Grill inklusive Holzkohle wird in den Keller oder die Garage verbannt. Ender der Grillsaison! Schicken wir die Holzkohle lieber nach Nicaragua. Einmal um die Welt,  bei dem Sonnenmenschen hört die Grillsaison doch nie auf?

Stimmt nicht, die „Grillkultur“ im Park oder am See ist mir in Nicaragua leider noch nicht begegnet. Über die „Holz-Kohle“ freue ich mich trotzdem unglaublich und in ein paar Wochen hoffentlich auch die Kinder der Escuelita del Mercado.

In den letzten Tagen ist die eine oder andere Nachricht über exotische „Holz-Kohle“ in Nicaragua bei mir eingetroffen und ich bin aus dem Häuschen, begeistert und allen so dankbar, die uns unterstützen, dass das Möbel-Projekt für die Escuelita realisiert werden konnte.

VIELEN LIEBEN DANK AN ALLE DIE DAS ERMÖGLICHT HABEN! 🙂

Seit Merlin und die „Holz-Kohle“  da sind geht es voran , wir konnten den Schulraum ausgemessen, haben Planzeichnungen von den Möbeln gemacht und zusammen mit dem Tischler, zu dem wir einen guten Kontakt aufbauen konnten, das Holz gekauft. Es läuft! Der Tischler Freddy ist zu dem noch ein sehr sympathischer Typ und ist von unserem Projekt so begeistert, dass er uns gerne tatkräftig mit Rat und Tat zur Seite steht.  Heute z.B.  konnten wir das Holz zurechtschneiden, begradigen und hobeln, sodass die erste aneinander geleimte Tischplatte grade in der Werkstatt trocknet. Morgen wird sie dann ihre Beine kennen lernen.

Ein schönes Projekt, zusammen mit den anderen Tischlern, Merlin und manchmal Carsten in der lichtdurchfluteten Werkstatt zu arbeiten und am Ende des Tages dreidimensional sehen zu können was man erreicht hat – mit euer Hilfe für die Kinder der Escuelita.

Riesiges Dankeschön! 🙂

Kururlaub…was noch passiert ist

Die erste Weihnachtszeit , die ich ohne meine geliebte Familie verbringe. Die erste Weihnachtszeit in der es einfach nicht kalt werden mag und der kitschig in allen Farben leuchtende Weihnachtsbaum im nicaraguanischen Hause paradox erscheinen mag. Die erste Weihnachtszeit  ohne Adventskalender, ohne Adventskranz, ohne Kakao vorm Kamin. Manno!

Mir geht es trotzdem großartig. Ich werde nicht mehr krank, inzwischen fließt das (Alltags-)Spanisch und jetzt ist auch noch Merlin da.So wurde, dass Wochenende natürlich ausgenutzt. Wir fuhren erst nach Leon und haben danach an der Lagune de Apoyo mit andern Freiwilligen gezeltet, wieder einmal am Feuer gekocht und die nicaraguanischen Temperaturen ausgenutzt, die auch noch nachts noch zum Baden einladen. Es war herrlich und die kreisrunde Langune von Bergen umgeben, Zeit und Natur ohne andere Touristen zu genießen.

Eine wunderschöne Erinnerung die all die seltsamen Erfahrungen fast wieder gut macht, die uns am Anfang des Wochenendes in Leon begegnet sind. Busse kamen nicht, Trampen funktionierte nicht, Hostals waren ausgebucht, Carsten hat man das Portemonnaie gleich zwei mal geklaut (erst den Bargeldinhalt, am nächsten Tag dann das ganze Portemonnaie) und ich habe mir mein Knie an einem auf unpraktischer Höhe abgesägten Verkehrsschild aufgeschlagen. Auf einer nicht gelungenen riesigen überteuerten Strandparty haben wir eine andere deutsche Freiwillige aufgefunden, die K.O. Tropfen abbekommen hatte.  Nicaraguanische Krankenwägen waren nicht aufzutreiben, das Rote Kreuz und Feuerwehr nicht erreichbar und die vor Ort anwesende Polizei hatte kein Interesse. Als Erfolg kann man verbuchen, dass wir es geschafft haben sie mit einem Taxi ins Krankenhaus zu bringen. Frustriert, enttäuscht und gestresst kamen wir dann nachts in unser pseudo Hospidaje an, doch als wir uns in unsere Betten fallen lassen wollten, waren sie leider schon belegt. Uns konnte nichts mehr schocken. Carsten, Merlin und ich haben dann eben auf dem Dach geschlafen um am nächsten Morgen zur Langune aufzubrechen.

Ein Kururlaub!

 

Kleine Momente im Kontrast

Schnee! Eis! Der Winter ist eingebrochen, mit der Nachricht erreicht mich das eine oder andere Mail.

Ja bei uns ist es auch kühler geworden. Ich sitze bei  nur noch 27°C nach einem entspannten Samstagvormittag in der Hängematte in der Sonne und versuche für euch die Eindrücke und Erfahrungen aus der letzten Woche zusammen zu puzzeln.

Das letzte Wochenende verbrachte ich in Granada, eine Stadt im Süden am Nicaraguasee gelegen, die heute noch von vielen liebevoll restaurierten Häusern aus der Kolonialzeit geschmückt wird. Man fühlt sich fast in einer andere Zeit versetzt.  Die Straßen sind von Straßencafes gesäumt, in deren Mitte reiche Einwohner und Touristen friedlich flanieren . Ein Freund vergliche es mit dem Flair von Paris. Entspannen und das genießen, was es oben bei uns in den Bergen nicht gibt. Gegen eine französische Bäckerei kann ich mich nie währen.
Doch abseits des Zentrums hört Paris schnell wieder auf. Auf dem Mercado drängt sich ein improvisierter Marktstand eng an den nächsten, in dem Gewusel versuchen Kinderhände eine von unseren gekauften Bananen zu erbetteln. Der Geruch von ungekühltem Fleisch und Leder der Gürtel und Sandalen vermischt  sich mit dem Duft von exotischem Obst und  zuckersüßem Gebäck.
Ein anderes Kind fragt mich ob es meine Wasserplastikflasche haben kann. Für ein gesammeltes Pfund Plastik bekommt es umgerechnet 60 Cent. Betteln und Kinderarbeit unterstützen?
Diese kleine Hilfe verwehren und die Flasche nachher wegschmeißen? Ich trinke die Flasche schnell aus. „Aber das Geld kommt doch nicht bei den Kindern an, das versaufen die Eltern.“, sagen die Kritiker.
Gut und böse ist zu sehr vermischt, es ist schwer mit reinem Gewissen das Richtige zu tun.
Es nagt an mir in der Rolle des potentiellen Gebers zu sein.
Ich erinnere mich an die Situation, als ich bei einem Fest in einer Comunidad von Kollegen beauftragt wurde, Süßigkeiten an die Kinder zu verteilen. Jegliche Gerechtigkeit und Struktur zu organisieren war nicht möglich, da war ich umringt von 50 schreienden drängelenden Kindern mit großen Kulleraugen. Entscheiden, welche erwartungsvolle Kinderhand sich schließen wird… ich habe es gehasst. Das nächste mal werde ich die Süßigkeiten wohl in die Luft schmeißen.
Solche Situationen sind nicht selten, Armut bekommt hier ein konkretes Gesicht. Umso mehr ich mit Hintergrund Geschichten der Kinder an meinem Arbeitsplatz Escuelita de lMercado eintauche, umso mehr bekommen „Missbrauch“ und „Gewalt“ auch konkrete Gestalt und Namen.

Und im Kontrast stehe ich wieder da, mit meinen unbesorgten Lebensstil, mit einem sozialen emotionalen und finanziellen Auffangnetz. Für mich ist klar, dass sich was ändern muss. Ich wünsche mir oft, dass mehr Personen solche Erfahrungen machen könnten und realisieren, dass man sich bewegen muss. Wie schön wäre es, wenn mehr Menschen die Zeit, die sie mit Fernsehen verbringen, sich aufraffen würden und sich einen Punkt suchen, wo man ansetzen kann um was zu bewegen.  Lokal, Global, Sozial. Sich für mehr Gerechtigkeit einsetzen, kann man auch schon in Deutschland um die Ecke.
Dass die Welt und das Leben ungerecht ist weiß jeder. Aber wie es ist, selber auf der finanziellen Verliererseite und deren Folgen zu stehen, weiß noch nicht mal ich. Ich kann es sehen und hören und meine Schlüsse daraus ziehen, ohne von den Blickwinkel des Regisseurs, ohne von Kommentaren des Fernsehreporters beeinflusst zu werden. Ich kann der Welt nicht helfen, aber ich kann und will was bewegen.

Es sind die vielen kleinen Momente, wie der Plastik-Sammel-Junge die mir zu denken geben und es sind aber auch die vielen kleinen glücklichen Momente hier die Nicaragua für mich so besonders machen:
…wenn eine erschöpfte Frau an meiner Schulter im Bus einschläft.
…wenn der Obstverkäufer mich mit Namen begrüßt und noch eine Extraorange meiner Lieblingssorte mit in die Tüte packt.
…wenn ich morgens aufstehe und frage: „Hay aqua?“ (Gibt’s Wasser?) und sie überraschende Antwort „Si ya hay!“ (Ja jetzt schon) lautet.
…wenn ich nach dem Arbeiten nach Hause komme und mein kleiner Gastbruder mich mit „Hola hija de mi madre“ (Hallo Tochter meiner Mutter) begrüßt und auf meinen Arm klettert.
…wenn ich mich zusammen mit dem Taxifahrer freuen kann, dass die Mauer „grade“ in Deutschland gefallen ist.
… das Kind das mich mit offenen Armen in einer Comunidad empfängt.
…die Erkenntnis, dass das lästige alltägliche Warten, dass jemand kommt, oder was anfängt, neue Möglichkeiten sind um sich zu Unterhalten, Armbänder zu knüpfen und zu lesen.
… den Erfolg wenn ein 12 Jähriges Kind gelernt hat seinen Namen zu schreiben.
… und noch so viel mehr…

Ich glaube es sind die kleinen Momente die mich hier besonders prägen. Die größeren Momente sind für den Touripart des Blogs und fürs Fotoalbum.

Ich könnte viel von unserem Ausflug mit einem Boot auf dem Nicaraguasee durch das Labyrinth von 340 kleinen Inseln schwärmen und die kleinen Äffchen beschreiben, die wir auf einer Insel entdecken konnten.  Von dem Besuch meines ersten „Oktoberfestes“ in einer Kneipe von einem in Nicaragua „hängengebliebenen“ Deutschen. Ja es waren schöne Tage, aber letztendlich schrumpft es auch zusammen in einem Gewirr aus Neuen, Beeindruckendem, Nachdenklichem und Wunderbaren Momenten, wo Größe keine Rolle spielt.

Ich wünsche euch, dass ihr eure großen und kleinen Momente genießen könnt und nicht so viel vor dem Fernseher hängen bleibt. 😉

Liebe Grüße nach Nordosten und nach Nordwesten!

PS. Es ist dieses Wochenende „Karneval“ in Somoto. Die ganze Hauptstraße ist schon abgesperrt und angeblich wird die ganz Nacht durchgefeiert. Ich mach mich mal auf den Weg…

Wenn die Welt in Ordnung ist…

…dann muss es sich um meine kleine Welt handeln.

Zugegeben ist meine Welt jetzt immerhin schon bis nach Nicaragua gewachsen, aber ich habe auch vieles mehr kennen gelernt was nicht so in Ordnung ist, dennoch ist meine Gefühlswelt entspannt und stabil und ich fühle mich sehr wohl.
Meine Welt hier ist jetzt genau 3 Monate alt und fängt an sich etwas von meiner Welt drüben abzukapseln. Ich habe auf gehört meine Erlebnisse in Blogeinträgen zu denken und auch der ständige Gedanke „Wie viel Uhr ist es jetzt in Deutschland?“ ist erschreckend wenig geworden. Ich lebe jetzt hier in der Zeit, die jetzt seit eurer Winterzeit  immer 7 Stunden hinter eurer her ist.
Meine Zeit verbringe ich so großartig, dass ich gar nicht weiß wie ich euch von allem erzählen kann.

Vielleicht interessiert euch was aus meinen Projekten geworden ist?

Meine Theatergruppe in der Comunidad Uniles ist endlich angelaufen und auch wenn die Teilnehmer den Begriff „pünktlich“ gerne bis zu 1,5h nach hinten dehnen, ist die Gruppe ausgezeichnet. Ich gehöre mit zu den Jüngsten, kann jedoch Aufmerksamkeit und  Respekt genießen um Übungen, Spiele und Diskussionen anzuleiten und zu koordinieren. Die verschiedenen Charaktere in der Gruppe sind mit viel Kreativität und Elan gesegnet und machen auf mich den Eindruck, auch was bewegen zu wollen. So sind wir gleich Gesinnte und in diesem Umfeld zu arbeiten macht mich glücklich und ein wenig stolz.  Ein willkommener Lohn für die  viel benötigte  Energie um immer wieder über seinen Schatten zu springen. Entspannter ist es, wenn ich nicht alleine springen muss und Carsten am Dienstag  „arbeitslos“ ist, uns unterstützt und ich auch noch in den Genuss komme mit dem Motorrad chauffiert zu werden. Durch Nicaragua brausen – ob mit Auto, Bus, Motorrad oder Fahrrad für mich immer ein Highlight. 🙂

In der Schule ist es auch gut angelaufen, ich werde mit offenen Kinderarmen empfangen und ich frage mich wie lange es noch braucht, bis ich Läuse habe. Die Kinder kommen oft aus sehr schwierigen bis gewaltsamen Familienverhältnissen und sind unglaublich Zuneigungsbedürftig. Es ist manchmal ein wenig kompliziert die goldene Mitte zwischen selbstschützender Distanz und Herzlichkeit abzuwägen. Momentan bin ich jedoch eher der Mensch der die Umstände und „die Zeit zu haben“ genießt, um nach Herzensangelegenheiten gehen und leben zu können. Neben dem Englischunterricht, versuche ich da anzuknüpfen wo die Kinder Interesse haben und so sind kleine Bastel- oder Geografie-Workshops entstanden.  Das letzte mal hatte ich die Ehre drei Geschwistern beizubringen, wie man einen Stift fest hält. Der älteste (12) kann jetzt sogar die Zahlen von 1 bis 10 schreiben, die Kleineren lernen erst mal zählen. Ich hoffe sehr, dass sie regelmäßig wiederkommen und sie vielleicht doch noch schreiben und lesen lernen können.
Die anderen 2-3 anderen Lehrerinnen lassen mir dabei völlig freie Hand und inzwischen ist auch der zweite Klassenraum festgestellt, den ich nutzen darf. Nur ist kein Geld für Möbel da und so schreiben manche Kinder auf dem Boden, wenn es zu voll ist.

Mein Traum ist es anfang Dezember, wenn mein (zufällig handwerklich begabter) Freund für 3 Monate auch in Nicaragua ist, Werkzeuge (die gibt’s nämlich auch nicht), Holz und Lack zu kaufen um Bänke und Tische zusammen zu zimmern. Nur fehlt auch dafür die finanzielle Grundlage.
Heimlich wünsche ich mir, während ich dies hier schreibe, dass der eine oder andere sich denkt „Oh gute Idee, das wäre eine Aktion die ich gerne unterstützen würde.“
Also wenn euch  tatsächlich dieser Gedanke im Kopf rumschwirrt, würde ich gerne auf meine email Adresse hinweisen: mohnalina@web.de.

Es wäre großartig, wenn sich ein paar Leute drüben in Deutschland finden, welche die Kinder in der Esculita del Mercado mit ein bisschen „Holz-Kohle“ unterstützen möchten und so aus meinem Traum ein Plan werden kann und ich das Material für die Möbel kaufen kann.
Herzensangelegenheit.
Da gibt es viele von, aber man muss aufpassen, dass man sich an sinnvollen Aktionen festhält, diese fokussiert und dann die kleinen Erfolge feiert.

Neben meinen Herzensangelegenheiten geht es mir hervorragend, auch wenn ich oft recht müde bin. Und da sind nicht nur die Arbeit oder gelegentliche Magenprobleme dran Schuld, denn die Wochenenden sind ganz nach meinem Geschmack: Ich seile mich durch Wasserfälle ab, boarde Vulkane herunter, schwimme durch Canyons, springe von fünfzehn Meter hohen Felsen und lerne Reiten. Die letzte Energie power ich  jeden Abend noch mit Patricia bei einer Sport- und Tanzgruppe aus.
Kurzum meine Welt läuft hier rund und weil sie immer weiter läuft, distanziere ich mich vom Internet und kann nicht mehr alles  berichten. Aber ich möchte euch ja noch ganz viel zu erzählen haben, wenn ich wiederkomme. 😉
Mit lächelnder Vorfreude darauf und dem Wunsch dass ihr in „eurer Welt“ zufrieden und gesund seit, verabschiede ich mich.
Ich melde mich spätestens, wenn es was Neues von dem Holz-Kohle Projekt gibt. 🙂
Adios Amigos,un abrazo fuerte!

PS: Mein15 Meter Sprung kann man witziger Weise bei Youtube bei Minute 25:00 bewundern. Ich bin die erste die springt. 😉

Weltwärts Frösche

*Eintrag vom 24.10.12*

Am Wochenende besuchte ich die nah am Pazifik gelegenen Stadt Leon, die  nach der Hauptstadt Managua die größte Stadt im Lande ist. In dieser Stadt kam ich das erste mal dem Wort „Kulturschock“ in Berührung. Aber es war nicht das Neue das mich schockierte, sondern das „altbekannte“ das sich in einem unerhörten Umfeld befand.

Es war der erste Nachmittag als ich alleine die Innenstadt Leons erkundete und auf einmal einen Supermarkt entdeckte. Einen echten Supermarkt, als ich eintrat war ich in einer anderen Welt. Klimaanalage. Temperaturen wie in Deutschland und die Auswahl! Ich glaube der Supermarkt war sauberer, sortierter als ein großer Edeka. Ich hätte Nutella, verschiedene Käse- und Rotweinsorten kaufen könne. Sachen die ich über zwei Monaten nicht mehr gesehen habe. Anscheinend habe ich mich zu schnell  an Somoto gewöhnt, dass ich nur noch wie ein Zombie durch den Laden gewandelt bin und ohne ein Peso(Cent) auszugeben wieder raus gestolpert bin. Irgendwie passt sowas nicht in meine Bild. Nicht weit entfernt halten sich die ärmsten Familien mit Tortilla und  Salz am Leben, mit Glück gibt’s Bohnen dazu.

Mit der Zeit bin ich aber wieder mehr in die Konsumwelt eingetaucht. Es fing mit einer  französische Bäckerei an (ich traute meinen Augen nicht als ich ein Schokocroissant entdeckte), auf den bunten Straßenmärkten gab es für umgerechnet 4€ wunderschöne  Ledersandalen und auf dem Stoffmarkt wurde ich auch fündig. Eine Stadt der Kontraste: da ist eine riesige Kathedrale aus der Kolonialzeit prunkvoll eingerichtet, daneben versuchen Jugendliche als Fahrradchauffeur ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. In Leon ist man eine richtige Touristin und wird auch so behandelt, wie die ganzen „Cheles“ um einen rum auch. Es gibt Restaurants wo sogar Wienerschnitzel und Heineken serviert wird. Auch wenn ich von Pizza und Feiern profitiert habe, irgendwie ist es für mich seltsam zwischen den Kontrasten zu leben. Samstag haben wir den Tag am Strand verbracht und Sonntag hat die aus verschiedenen Städten zusammengereisten Freiwilligen-Gruppe von inzwischen 15 Personen auf einer Tour in die Umgebung, ihr Touristendasein unterstrichen. Mir ging das gegen den Strich. Es wurden Echsen rumgereicht und fotografiert…

Danach sind wir Snowboarden gegangen. Okay, fast. Der Schnee war schwarz und unglaublich mineralreich. Der Eigentümer dieses seltsamen Schnees nennt sich Vulkan Cero Negro, den wir Stück für Stück erklommen haben. Es war wieder wie eine andere Welt, wo es nur Staub, Asche und Vulkangestein gibt, vielleicht ist die Kulisse auf dem Mond ähnlich? In der Ferne bietet eine vielfältige Vegetation, die von den Vulkanmineralien profitiert hat eine wunderschöne Aussicht. Ein wunderschöner natürlicher Kontrast, hier fühle ich mich wieder wohler.

Wir steigen weiter „vulkanauf“, auf unseren Schultern befinden sich rechteckige Boards und auf unseren Rücken mysteriöse unbekannte Rucksäcke. Oben angekommen raucht und schwefelt der schwarze schlafende Riese zur Begrüßung  und lässt uns bereitwillig über die erkaltete Kraterkruste stiefeln. Danach werden die mysteriösen Rucksäcke entlarvt und aus jedem schlüpft ein grüner Ganzkörper-Sicherheitsanzug. Nur ein paar Minuten später mit Adrenalien voll gepumpt, stürzt sich eine wild gewordener Horde Frösche die steile Vulkanpiste hinunter. Es wird gerodelt, gesurft, geschliddert und gejodelt. Der eine oder andere Frosch hüpft ausversehen von seinem Board, aber alle kommen heile, glücklich und mit einem von Asche schwarzen Gesicht unten an.
Weltwärts-Frösche mit schwarzen Bärten und zu dunkel geschminkten Augen bereichern jetzt das Landschaftsbild.
Ihre Frosch Qualitäten werden sie zwei Wochenenden später wieder im Canyon erproben, wo der eine oder andere bis zu 15m den Canyon runter hüpft… davon aber ein anderes mal mehr.

Ronja Räubertochter und die Tarantel

 

 Am Wochenende war es endlich wieder so weit, früh morgens schulterte meine nicaraguanische Familie, Jonathan (der Ami) und ich die Rucksäcke und der 2h lange holprige Weg in einem Lastwaagen zur Finca begann.

Die Finca ist das Landhaus meiner Familie (siehe http://www.nicaragualina.de/2012/09/08/ihr-habt-die-uhren-wir-haben-die-zeit/ ) und dort ist es nach dem Motto „Back to the roots“  noch möglich, sich unabhängig von Super- und Straßenmärkten zu ernähren und zu leben.
Nach dem wir angekommen waren, bin ich mit Marlon auf die Weide gegangen, wir haben Kühe eingefangen und nach dem die Kälber was trinken durften, ging es ans melken.
Als ich die Kuh vor mir hatte, was mein erster Gedanke: „Du kannst dem Tier da unten am Bauch doch jetzt nicht an die Brüste fassen und Milch daraus pressen“, mein zweiter Gedanke war „Verwöhnte Europäerin, verwöhnte Alina, stell dich nicht so an“. Und so hab ich dann melken gelernt und mit der Zeit auch, dass es nicht auf Fingerspitzengefühl sondern auf einen richtigen Handgriff und Ausdauer ankommt. Später haben wir aus der frischen Milch wieder Mantequilla (Crem) und Käse gemacht, der in Somoto sogar verkauft wird.

Nach einem superleckerem-ökö-bio-Mittagessen gings zu den Pferden und auch wenn ich mich immer gegen Pferde-Liebhaber(innen) gewährt habe, muss ich gestehen, dass es mein absolutes Highligt war, den ganzen Tag durch die Wildnis zu reiten. Ich habe mich wie Ronja Räubertochter gefühlt, als mir jemand zurief „Halte dich an der Mähne fest“ und das Pferd einen holprigen schmalen Pfad bergauf lief und „Fridolin“(das Pferd hatte bis vorgestern noch keinen Namen) und ich alleine zwischen Urwald und Steppe waren.

Der Ami Jonathan, den ich aus oberflächlichem Anlass den „Hobbit“