Kleine Welt

Ein ganz normaler Tag. Vormittags sitze ich mit einem Kollegen im Büro und wir erstellen ein Konzept  für ein Projekt mit Jugendlichen zu dem Thema Kommunikation. Er diktiert, ich tippe. Zwischendurch schweifen wir ab. Google maps. Ich zeige ihm wo Deutschland ist, wo Berlin und Hamburgo ist, wo ich wohne. Ich zoome aus dem Bild und wir fliegen über den Ozean. Ziemlich lange bis wir irgendwann Land erspähen. Da ist Nicaragua. Und da ist das Gefühl. Ich bin so unglaublich weit weg und all das vertraute, wo ich mich auskenne ist noch weiter weg.
Ich erinnere mich an eine Situation, als meine Mama mir an einer kleinen Karte Länder und Kontinente erklärt hat. „Und das da ist Amerika. Nordamerika und Südamerika“ „Und warum hat der Kontinent Südamerika keinen eigenen Namen?“ „ Guck  mal genau hin, die sind in der Mitte verbunden, das ist wie eine Brücke…“

Und genau auf dieser Brücke sitze ich jetzt, die Brücke die in meiner Kindheit nicht mal existierte ist jetzt mehr als ein eigenes Land mit eigener Kultur und Geschichte. Ein neues Zuhause, so weit weg.

Abends tauche ich jedoch wieder ein, ich sitze ich mit meiner Gastmama Patricia zusammen in ihrem Zimmer und wir blättern in Fotoalben:  als sie klein war, ihre Familie, ein Ausflug nach Corn Island, ihre Zeit als sie in der Schweiz gearbeitet hat, ein Schloss. Ein Schloss? Das kenn ich irgendwoher, das ist DAS Schloss, die Universität in Münster. Es folgen vergilbte Bilder von ihr vor dem Aassee und der Promenade.
Patricia war zwei Wochen in meiner Heimatstadt Münster und in diesem Moment schrumpft die große Welt beachtlich. Sowas in einem nicaraguanischen Fotoalbum zu entdecken! Ich muss noch ziemlich schmunzeln, als ich später noch ein Foto von ihr aus der französischen Stadt Nancy  vor einem mittelalterlichen Gefängnis entdecke. So ein Foto hab ich auch, von mir und meiner Mama. Verrücktes Leben, die Welt ist ziemlich klein und auf einmal ist eine Brücke nach Münster gebaut.

Auch ohne Internet.

Canyon

Hola Muchaos!

Jetzt bin ich schon seit 2 Monaten hier bei den Sonnenmenschen und die Spannweite der verschiedenen Erfahrungen dehnt sich weiter aus, sodass es für mich immer schwieriger wird eine Struktur und Worte zu finden um mit euch das teilen zu können, was ich hier erlebe.

Am meisten hat sich meine Arbeit und mein Projekt verändert. Tag für Tag werde ich sicherer mit meinem Spanisch und so fällt langsam der Schutzmantel des „Nicht-Verstehens“  ab und man wird in Einzelschicksaale, Zusammenhänge, Pläne und Geschichten eingeweiht, die einen (wenn man nicht auf sich aufpasst) schon recht belasten können. Zum Glück ist mein Blickwinkel stets auf das positive ausgerichtet und so freue ich mich, dass ich das erste mal auf Spanisch geträumt habe und mich nicht mehr wie ein Affe mit Händen und Füßen ausdrücken muss, sondern mich human an Konversationen beteiligen kann.

Inzwischen haben sich „meine Projekte“ herauskristallisiert und so ist ein ungefährer Wochenplan entstanden. Montags und donnerstags arbeite ich in einer Schule, die Kinder des „Mercados“ (Markthallen hier in Somoto) unterstützt. Viele der Kinder müssen vormittags ihren Familien in den Markthallen helfen  (arbeiten) und können so nicht regelmäßig die staatliche Schule besuchen. Diesen Kindern bietet die „Escuelita del Mercado“ auf freiwilliger Basis an, Verpasstes nachzuholen, Fragen zu beantworten, bei den Hausaufgaben zu helfen und ein offenes Ohr zu haben. Gemeinsam mit 2-3 Lehrerinnen bin ich für circa 30 Kinder von 5-11 Jahren zuständig, mit denen es in einem Klassenzimmer schon recht laut werden kann. Aber es funktioniert! Meiner Meinung nach besser als in einer deutschen Grundschule. Dadurch, dass alle freiwillig da sind, es keinen Frontalunterricht gibt und eine unglaubliche Lernbereitschaft da ist, bilden sich kleine Gruppen die sich gegenseitig unterstützen. Während die einen lesen, sitze ich mit ein paar Kindern zusammen erkläre und übe schriftlich multiplizieren. Es ist anstrengend, vielen Kinderfragen (auch gerne gleichzeitig) gerecht zu werden, aber mir macht es unglaublich Spaß und ich habe das erste Mal das Gefühl hier wirklich gebraucht zu werden und aktiv und direkt was beitragen zu können. Es hat sich eine Gruppe von circa zehn interessierten  Kindern gebildet mit denen ich mich ab nächster Woche an die englische Sprache herantasten werde. Und es ist fast so, als hätte die Schule auf mich gewartet, denn in den nächsten Tagen wird ein zweiter Klassenraum fertig gestellt, den ich mit meiner Gruppe nutzen kann. Es gibt noch keine Möbel aber ich bin sehr euphorisch und freue mich schon darauf, euch mehr und von der Entwicklung dieses Projektes berichten zu können (wenn ich noch mehr eingetaucht bin). Generell fällt es mir schwer im Blog von „Neuigkeiten“ zu berichten, da sie oft nur erste Eindrücke wiederspiegeln und zu schnell zu einer Verallgemeinerung führen. Daher poco a poco…

Jeden Dienstag werde ich mit einer mir bekannten improvisierten Theatergruppe in der nah gelegenen Comunidad „Uniles“ zusammen arbeiten. Wie ihr mich kennt, bin ich nicht die geborene Schauspielerin aber ich hoffe gemeinsam mit der Gruppe entdecken zu können, dass man im Normalfall nicht mit dem Rücken zum Publikum steht und immer klarer die Aussagen der Aufführungen (wie z.B „Benutzt Kondome, sie schützen vor AIDS“ oder „Frauen sind gleichberechtigt“) herausarbeiten zu können. Zu zwei Frauen konnte ich schon einen freundschaftlichen Kontakt aufbauen und ich hoffe auch bald von diesem Projekt mehr berichten zu können.

An den anderen Wochentagen arbeite ich zusammen mit meinen Kollegen an der Vorbereitung und Durchführung von verschiedenen Veranstaltungen die wir in den Comunidades oder im Versammlungshof unseres Büros durchführen. Die Themen beziehen sich z.B. auf Aufklärung über die Rechte von Frauen, von Kindern oder Aidskranken, Gewalt, Machismus, Ernährung und Umweltschutz.
Morgen werden wir den ganzen Tag in einer Comunidad in einem Projekt zu dem Thema Katastrophenschutz und erste Hilfe arbeiten. Das ist eher der Themenbereich des anderen Freiwilligen Carsten, wo ich assistieren werde und den Part der Animation übernehmen werde. Kann auch langweilig werden, mal sehen.

Dafür ist es in meiner Familie nie langweilig, denn jetzt haben wir für einen Monat noch einen amerikanischen Mitbewohner. Ich habe den Ami, einen 3-Monate-Freiwilligen, eines Abends nach dem Basketball spielen kennengelernt und ihn überzeugen können aus seinem Hotel auszuziehen und das leer stehende Zimmer bei uns im Haus zu mieten. Meine Gastmutter hat sich echt darüber gefreut und ich freue mich, dass sie sich freut und der Ami schlechter Spanisch spricht als ich. Mit freundlichen Grüßen an mein Ego.
Meinem Ego geht’s übrigens auch gut. Ich schmiere ihm jedes Wochenende ein bisschen Honig um den Bart: Vorletztes Wochenende haben wir uns mit ein paar Freiwilligen in Chinandega und der Hafenstadt Corinto getroffen und haben einen Salsa Crashcurs mit anschließender Party besucht. Die nicaraguanischen Teilnehmer konnten im Gegensatz zu uns perfekt tanzen und haben uns ein wenig wie ein „Körperklaus“ da stehen lassen. Jedoch ist mein Fazit: Es war eine tolle Erfahrungen und man sollte das Tanzen immer weiter ausbauen, nur vielleicht nicht im fast durchgängig 40° C heißen Chinandega, dass einen in einen triefenden Waschlappen verwandelt.

Wie froh war ich da als ich wieder in meinem angenehmen 27°C warmen Somoto, mein Zuhause in den Bergen ankam. Und dieses Wochenende habe ich auch endlich den Nationalstolz MEINER Stadt kennen gelernt. Den Canyon – ein Traum.
Mit einer Nicadeutschen-Gruppe (plus Ami) haben wir eine größere Tour in den Canyon gestartet. Den Vormittag sind wir mit Schwimmwesten durch den Canyon gewandert, geschwommen, getrieben und gerutscht. Man fühlt sich wie in einer natürlichen Wildwasserrutsche, umgeben von 100m hohen Felswänden und Untertassen-großen blauen Schmetterlingen. Zwischen dem Staunen und entspannten Bewundern gib es immer wieder erfrischende Adrenalinkick(s), wenn man sich von einem 3-15m hohen Felsvorsprung in das blaugrüne Wasser herabstürzt (springt) und das ganze zum Abenteuer wird. Das letzte Stück sind wir dann im seichten Wasser mit einem Boot gefahren.
Abends haben wir das Abenteuer mit Lagerfeuer, Bierchen (mehr als ein Bier) und Vollmond im Canyon ausklingen lassen. Unsere Zelte standen nahe dem Fluss auf einem Sandstrand, Pasta und Soße haben wir auf dem Feuer gekocht und die Atmosphäre war atemberaubend. Irgendwann ging dann noch angeberisch der Vollmond auf und gegen ein nächtliches Bad im angenehm warmen Fluss war nichts mehr einzuwenden. Ein Highlight-Abend voller Geschichten in Somoto. Hier wohne ich übrigens. 😀
Am Anfang habe ich meinen Mit-Freiwilligen Carsten gerne mit Schwärmereien über Münster genervt, aber das nächste Jahr seit ihr dran:
Mein Somoto. Mein Nicaragua. Mein Wunsch. Mein Leben.


PS: Ich komme wieder, keine Frage.
Mein Münster. Mein Merlin. Meine Mohn´s. Mein Leben.

San Juan del Sur

San Juan del Sur

Vorab vielen Dank für die Rückmeldungen und Mails,  es freut mich immer zu hören, was euch erreicht und wie es euch geht. 🙂 Und bevor ich jetzt so motiviert Neues berichte, sollte ich mal klären, dass Nicaragua nicht in Afrika liegt. Ich lese es immer wieder schmunzelnd und gerne, aber es folgt hier ein Abschnitt für euch mit Nicaragua Bildung:

Nicaragua liegt in Lateinamerika zwischen Honduras und Costa Rica, im Westen an den Pazifik und im Osten an die Karibik angrenzend. Die Amtssprache ist seit der spanischen Kolonialzeit (1524) Spanisch, dass erfreulicher Weise zunehmend auch meine Gedanken bestimmt. An der Ostküste waren 1633 die Engländer und haben da vereinzelt ihre Sprache und Sklaven gelassen.
Ich wohne im Norden im zentralen Hochland, wo man von der englischen Kolonialzeit nichts mitbekommt und alles sehr spanisch katholisch ist. Auf den wenigen Straßen Richtung Karibik, sind es für mich circa 520km bis nach Bluefields und zum Glück nur 200 km in die dichter besiedelten Pazifikregion. Schließlich ist Nicaragua im Vergleich zu Deutschland klein und beschaulich (Deutschland ist dreimal größer als Nicaragua). Es gibt circa 5,8 Millionen Einwohner, wovon knapp 2 Mio. in der Hauptstadt Managua wohnen. Dafür gibt es umso mehr Urwald,  Nationalparks, 90 Vulkane (momentan sind grade 2 aktiv), zwei große Süßwasserseen in denen mutierte Haie leben und insgesamt über 850 km wunderschöne Küstenlinie.
Das Klima ist tropisch heiß und feucht. Bei mir oben in den Bergen ist es etwas angenehmer und die Tagestemperaturen schwanken zwischen 25-35° C, wobei die Luftfeuchtigkeit jetzt grade am Ende der Regenzeit zwischen 60% und 100% beträgt.
Nicaragua ist nach Haiti das zweitärmste Land in Lateinamerika und 53% der Bevölkerung leben unter der nationalen Armutsgrenze, dennoch ist Nicaragua das sicherste Land Lateinamerikas. Wer gerne noch mehr Hintergründe zur Geschichte und Wirtschaft haben mag, darf gerne fragen…
Zu guter Letzt für die Ökös unter euch: Durch die vielen Berge ist der Regenwald hier zu 2/3 unzugänglich und beherbergt so 10% der weltweiten Biodiversität. Also schön weiter Fahrrad fahren und auf dem öden Recycel Papier schreiben. 😉

Läuft. Ich bin jetzt seit 6 Wochen in Nicaragua und habe nach meinem ersten abenteuerlichen Arztbesuch einen angeblichen fiebrigen Magen-Virus mit Antibiotikum besiegt. Gegen das Paradoxe am Virus und Antibiotikum konnte ich mich leider nicht wehren, da ich schneller zwei Spritzen in der Hüfte hatte, als ich mit meinem 3m²-Kopf „Virus“ denken konnte. In den folgenden Tagen ging es mir nicht ganz so optimal, aber meine Gastfamilie hat sich sehr lieb um mich gekümmert. Ich hatte viel Zeit im Bett zu liegen, nachzudenken und mich für meine europäischen Privilegien zu schämen. Zugegebener weise war ich von dem Arzt nicht begeistert, aber immerhin hatte ich die Möglichkeit und das Geld dahin zu gehen, ich werde das Geld von meiner Versicherung sogar wiederbekommen und wäre im absoluten Ernstfall ins Luxuskrankenhaus nach Managua (oder per Hubschrauber nach Deutschland) gekommen. Das sind Möglichkeiten und Bedingungen die hier für die allermeisten unerreichbar sind. Selbst in meiner Familie hat keiner eine Krankenversicherung und in solchen Momenten schlägt mich das Wort „Armut“ wie eine Faust ins Gesicht.
Es ist wie eine Fassade, vieles wirkt natürlicher und unbeschwerter und ich neige dazu diese positiven idyllischen Bilder zu fokussieren, jedoch ist dahinter eine Realität, die mich täglich in Selbstkonflikte aufgrund meiner Privilegien geraten lässt. „Was möchtest du mal werden?“, „Was arbeitest du?“,   es ist schwierig mit Jugendlichen zu sprechen ohne dass dabei unbewusst Themen wie fehlende Bildung und Chancen mitschwingen. Wenn  ich gefragt werde, was ich nach dem Jahr hier machen möchte, habe ich auch immer noch keine faire Antwort gefunden, schließlich wäre die Aussage, dass ich studieren will oder mir alle Türen offen stehen, ganz schön frech. Es ist nicht meine hellere Haut die mich hier unterscheidet, sondern die Möglichkeiten und Privilegien die dahinter stehen. Und das kann einen ein bisschen seinem Konzept (Idealismus?) bringen.

Trotzdem ist das erfreuliche Fazit ist, dass ich wieder komplett gesund bin und ich außerhalb jedes Konzepts mit mehreren anderen Freiwilligen für ein langes Wochenende nach San Juan del Sur ans Meer gefahren bin. (Hurra ein weiteres Privileg, wir können das Land mehr bereisen, als die Einheimischen 🙁 )

In dem wunderschönen und touristischen San Juan del Sur (auf der Nicaragua Karte bei „Rivas“ zu finden) sind wir 13 Freiwilligen zwischen vielen Amerikanern und Europäern auch gar nicht mehr so aufgefallen. Zugegeben war es mal ganz angenehm fast „normal“ zu sein und wie ein Bilderbuch-Tourist mit dem einen oder anderen Cocktail einfach nur Meer und Strand zu genießen. Wir haben in einem Hostal direkt am Strand gewohnt, haben die Tage bei traumhaften Wetter auf Surfboards auf dem Meer verbracht und die anschließenden Nächte mit viel Musik und Tanzen auch zum Tag gemacht.
In mir hat ein Surf-(Wellenreiten) Herz angefangen zu pochen und ich hoffe dass ich schon bald wieder mit meinem Gewissen vereinbaren kann, wieder surfen zu gehen und den Flow zu feiern, wenn man oben auf einer guten Welle steht… surft…perfekt…ein Traum!

Der Grund für das lange Wochenende war der 15. September, der Nationalfeiertag  der Nicas, an dem die Unabhängigkeit von Spanien gefeiert wird. Daher gab es in ganz Nicaragua Feste und Umzüge in denen unteranderem jede Schulklasse und jeder Verein miteinbezogen ist. Schon oft hat mir ein Nica gesagt, dass die Deutschen viel organisierter und konsequenter sind, aber eine ganze Schule die im Takt der Musik in Reihen marschiert und tanzt, ist mir in Deutschland noch nicht begegnet. Für mich ist Nicaragua voll von Überraschungen.

Ich kann wieder einmal damit abschließen, dass es mir super gut geht und ich täglich echt dankbar dafür bin was ich habe, weil es eben nicht normal ist, wie und was wir sind. Es bringt mir nichts ein schlechtes Gewissen zu haben, umso mehr versuche ich meine Energie in Spanisch Kenntnisse umzuwandeln, um mich für das was ich hier lernen darf zu revanchieren.

Mit diesen Worten – hablamos espanol. Buenas noches!

(PS: In der Fotogalerie gibt es neue Fotos von dem Kindergeburtstag meines Gastcousins mit Pinata und das eine oder andere Angeber Foto aus San Juan del Sur… ;))

Ihr habt die Uhren, wir haben die Zeit

„Tranquila!“(Ruhig, unbesorgt, gut), es vergeht kein Tag wo ich es nicht höre. Zu recht. Denn dass Alles seine Zeit hat und es auch langsam funktioniert, wenn man von seinem hohen Konsum-Ross absteigt, durfte ich am Wochenende auf der Finca meiner Familie erleben.

Die „Finca Monte Rico“ ist ein über 100 Jahre altes Landhaus, hoch oben in Bergen fast bei Honduras, in dem die Geschichte meiner Nicafamilie und meine Nica-Oma zuhause sind . Der Strom für Licht abends ist Luxus, gekocht wird über einem Lehmofen, Wasser wird mit Eimern dahin gebracht, wo es benötigt wird.

Nach einer 1,5 Stunden langen holprigen Fahrt kamen wir morgens um 6 Uhr an. Es war kühl und ich erfreute mich das erste Mal an meiner Fleecejacke, die Kühe wurden grade gemolken, in der rauchigen Küche wurden Tortilla gebacken.
Umgeben von Hühnern, Hunden und Katzen, hängte ich meine Mosquitosichere Hängematte auf und begann mich zuhause zu fühlen. Wenig später erkundete ich die Umgebung und Patricia , Gastcousins Tupac und Dennis brachten mir bei, wo Mangos, Ananas, Bananen, Hocote, Koriander, Granadilla, Bohnen und Flor de Cana(daraus wir Rum gemacht) wächst und wie es geerntet wird .
Die Umgebung ist wunderschön und wenn man Esel, Ziegen und Schafe besucht hat, kann man weit ins nächste Tal blicken.

Später habe ich noch gelernt wie man aus der frischen Milch Käse macht, wie man Tortilla bäckt und weitere landesspezifische Spezialitäten in Bananenblätter wie ein Geschenk verpackt und nach 2 Stunden kochen eine wunderbare Mahlzeit hat. Alles Selbst angebaut, produziert, gekocht…
Back to the roots. Mir gefällt das wunderbar.

Am nächsten Tag, habe ich etwas geschummelt und meine Trockenhefe aus Deutschland ausgepackt womit wir eine Pizza gebacken haben, die ordentlich gefeiert wurde.

Das Wochenenende ging trotz aller Zeit viel zu schnell um und schon befand ich mich auf dem Rücken einer  Mauleselin, die mich zum Bus(Pick-up) trug. Ich war ziemlich froh, dass die Schublade mit den Kindheitserinnerung „Reiten“ spontan wieder auf ging und ich zumindest wusste, wie ich da Ding „bremse“, während die anderen gekonnt vor mir her trabten. Schaltung, Kupplung und Lenkrad werde ich das nächste Mal suchen, wenn ich hoffentlich ganz bald wieder da bin.

Sympathischer Typ

Heute bin ich Jesus begegnet.
Das stand zumindest auf seinem Tshirt drauf.
Er war ausgerechnet dann da, als ich verdutzt von meinem Fahrrad stieg, weil die Pedale abgefallen waren.
Bevor ich überhaupt nachdenken konnte, wie ich es hätte reparieren könnte, stand er schon mit einem Schraubenschlüssel da. Vorsichtshalber hat er mir auch gleich die Mutter von seindem Rad für mein Vorderrad angeschraubt…

Hola, Ich mag Nicaragua! 🙂

Durchblick

Eine Münsteranerin ohne Fahrrad ist wie ein Schmetterling ohne Flügel.

Ab heute hab ich wieder neue Flügel für 55€ mir Schloss. Die Verarbeitung ist nicht die Beste, aber morgen werde ich los fahren und eine Zange, Schraubenzieher und Ketten Öl kaufen müssen und z.B die schleifende Bremse reparieren.

Ich hoffe es langweilt euch nicht, wenn ich wieder einmal schreibe, dass es mir Bestens geht. Ich fühle mich jedes Mal wie ein Held, wenn ich wieder was Kluges für den Umgang mit dem Alltag entdeckt habe.
Zum Beispiel, weiß ich jetzt wie man über den glatten Boden schlurft, wenn es geregnet hat, damit man nicht andauernd ausrutscht.
Nach dem ich des Öfteren nächtlichem unerwünschten Besuch in meinem Zimmer hatte, habe ich rausgefunden wie ich mein defektes Fenster jede Nacht verbarrikadiere, damit es keinen Katzenbesuch mehr gibt. Mücken, Geckos und Mäuse lassen sich leider nicht davon beeindrucken.

Ich verschrecke angreifende Hunde, allein mit der Bewegung einen imaginären Stein aufzuheben, erprobe mich daran seltsames Gemüse nur mit dem Löffel in der Suppe zu pellen und alltäglicher Wasser und Stromausfalls können mich nicht mehr beeindrucken. Vermutlich mutiere ich hier noch zum Helden und Helden ignorieren auch zunehmend Mosquitos und pfeifende Männer.

Die Stadt, das Städchen( ca. 20 000 Einwohner) ist für mich inzwischen auch übersichtlich geworden. In den ersten orientierungslosen Tagen war ich immer unglaublich stolz, wenn ich den Weg durch die im Schachbrett angelegte Stadt zu meiner Arbeit oder zum „Supermarkt“ gefunden habe. Inzwischen habe ich eine Karte im Kopf und kann mich an diverse Tante Emmer Läden, dem Park, der „Eisdiele“ Straßenmärkten, Billardcafes, der Post, der Markthalle, dem Schreibwarengeschäft und Secound-Hand Läden orientieren. Einkaufen geht auch ganz gut, auch mit „Chela-Aufschlag“( Weißen Aufschlag) kommt man mit ca. 0,30€ – 0,40€ für eine Mango, eine Taxifahrt oder ein Eis gut weg.  Für meinen Bedarf ist die Infrastruktur ausreichend, doch kann man plakativ behaupten, dass mit dem fehlenden Straßenpflaster, die Infrastruktur schwindet und Armut und (angeblich auch) Gewalt in der Umgebung zunimmt.

Von meiner Gastfamilie berichte ich am liebsten, da ich mich hier am wohlsten fühle und von tollen Menschen umgeben bin. Nicht selten sitzen wir abends zusammen und meine persönlichen Erfolgserlebnisse und Highlights sind, wenn ich gefragt werde ob wir was basteln… Kleine Döschen, Vögel und Schiffe aus Papier stoßen auf große Begeisterung und von Müslipackungen bis Werbung ist schon viel im Haus verbastelt.
Wenn alles klappt, fahren wir am Wochenende auf die „Finca“ (Landhaus) in den Bergen. Abgesehen von viel frischem Obst und Gemüse soll es da auch Pferde geben, vielleicht lerne ich noch reiten. Ohne Reithalle und Pferdezicken, so wie ich es mir heimlich gewünscht habe, wenn ich gesagt habe, dass ich keine Pferde mag.

Meine Arbeit ist sehr vielseitig und kann interessant und anstrengend sein aber es gibt auch viele verschiedene Facetten der Langeweile und Unterforderung.  Die letzten Tage waren jedoch eher positiv.
Gestern wurde ein großes Projekt in der Comunidad Unile (15min entfernt) zu den inzwischen mehr und mehr bekannten Themen „Gewalt, Sexualität und Menschen Rechten“ veranstaltet. Nach gemeinsamen Mittagessen wurden mit Plakaten, Theaterstücken und Vorträgen versucht die circa 40 Teilnehmer von 2-60 Jahren für die Themen zu sensibilisieren. Die Methoden und die Durchführung sind sehr bunt und liebevoll und ich gebe mir Mühe den mir in Deutschland beigebrachten Kritiker nicht viel Platz einzuräumen. Lieber überlege ich mir währenddessen, was ich gerne mal ausprobieren würde, wenn ich genug Spanisch kann um mich bei so einem Projekt aktiv beteiligen zu können. Denn bis jetzt beschränken sich meine Aufgaben auf die Vorbereitung der Materialien, Aufmerksam sein und hoffen irgendwo mit anpacken zu können. Eine „Dynamica“ anleiten zu dürfen, ist dabei ein wahres Highlight für mich.
Heute waren wir den ganzen Arbeitstag mit zwei Kollegen in Esteli(größere Stadt, 1h entfernt) und haben Blumen für ein Pflanzenprojekt in einer Comunidad eingekauft und später dorthin gebracht.   Dabei konnte ich auch die zwei Kollegen Maria und „Chele“ besser kennen und schätzen lernen, die mich später noch beim Fahrradkauf unterstützt haben und uns zum Mittagessen eingeladen haben.
Mit ihnen weiterhin in Projekten zusammenarbeiten zu können, würde mich wirklich freuen.

So und bevor in meinem Kopf wieder das passiert, was ich im letzten Blog Eintrag beschrieben habe, verabschiede ich mich mit der erfreulichen Nachricht, dass ich heute wieder Tante geworden bin. Juhu, wenn ich wieder in Deutschland bin gibt’s einen Zwerg mehr der mich vielleicht schon „Nina“ nennt und frech lacht.

Gedankenverloren

-Einblicke in einen Kopf der 3 Wochen in Nicargua ist-

Manchmal habe ich hier Momente, da frage ich mich wer ich eigentlich bin. Es gibt viele Alina-Seiten von mir, die mir hier in Nicaragua fremd geworden sind (selbst mein Name an sich klingt hier oft  fremd). Es gibt Alinas die sind mir so fremd geworden, dass ich sie verdrängen will. Manche Alinas sind mit gekommen und erfreulicherweise lauter geworden. Manche verachte ich.

Zum Beispiel ist Fressflash-Alina vorgestern wieder aufgeraucht und Faul-Alina hat auch um die Ecke geschaut. Ich habe sie noch um Mitternacht raus gescheucht, damit sie sich bitte die Zähne putzen und die Füße waschen soll. Kurz darauf kam Skepsis-Alina und fragte: „Ist das nicht spießig und ziemlich deutsch, dass du erst so mit ruhigem Gewissen ins Bett gehen kannst?“

Therapeuten-Alina schlug darauf hin vor: „Denk nicht so viel drüber nach!“ Woraufhin Reflexions-Alina erklärte, dass es immer gut wäre, selbst kritisch zu sein. Die Alinas diskutierten, bis Sentimental-Alina vorschlug dem ein Ende zu setzten, entspannte Musik zu hören und alles aufzuschreiben. Ego-Alina merkte bei dieser Gelegenheit an, man sollte auch fest halten, was man am Tag erreicht hat und was für wunderbare Erfahrungen man sammeln konnte.

Dies ermunterte Unsinns-Alina zu philosphieren, warum Ego-Alina so ist wie sie ist und warum Beziehungen in amerikanischen Serien immer so seltsam sind. Anti-Stereotypen-Alina verteidigte darauf hin die Amerikaner.

Irgendwoher schwebte die Stimme der Aus-Dem-Off-Alina: „Seid ihr eigentlich alle verrückt? Was ihr da macht ist ja schizophren!“ Kultur-Alina lenkte schnell ab: „ Aber die Musik ist grade so schön…“, was Therapeuten-Alina sofort mit „Schreib einfach alles auf was du denkst, schließlich musst du die Eindrücke vom Tag verarbeiten“ ergänzte.

Die Witz-Alina übersprang diese Idee und warf ein: „Wo bleibt dein Humor? Schreib doch lieber was Witziges!“ Bevor Therapeuten-Alina was erwidern konnte, meinte Kritik-Alina „Ach das macht die doch nur um es später in ihren Blog abschreiben zu können!“
„Ist das den schlimm?“, fragte Naiv-Alina und fing an zu lächeln. „Natürlich nicht, es geht dir ja auch immer besser!“, antwortete Optimismus-Alina aufmunternd. „Stimmt. Denk doch mal daran, wie viele Fotos von Türen du schon für dein „Tür nach Nicaragua Projekt“ gemacht hast!“, erklärte Hyper-Kreativ -Alina aufgeregt.

„Du hast einen Schaden…!“, murmelte eine fremde Stimme.
„Übrigens Kreativ Alina, es waren nur drei Türen, die du bis jetzt fotografiert hast. Der Rest ist lediglich ein Plan von dir“, stellte Realitäts-Alina nüchtern fest.

„Ich bin müde!“, erklärte Gefühls-Alina und bat Intentions-Alina mit einem Blick die anderen zur Ruhe zu bringen. Doch die anderen wollten nicht. „Denk doch mal an die ganzen verschiedenen Gesichter, die du heute gesehen hast!“, versuchte Bildlich-Alina durchzusetzen „…und was alles für Geschichten und Erfahrungen hinter den Individuen zu finden sind“, ergänzte Weiterdenk-Alina und schaute Sentimental-Alina erwartungsvoll an.

„Tu es nicht!“ bat Therapeuten-Alina dringlich, doch Sentimental-Alina hatte schon los gelegt: „Diese freundlichen dunklen Augen, so jung, so schlechte Zähne…“, grob wurde sie von Nach-vorne-Denk-Alina unterbrochen. „Was dümpelst du eigentlich immer zu in der Vergangenheit herum? Schau mal nach vorne! Morgen fährst du nach Esteli mit deinen Kollegen. Super Sache!“, „…und vielleicht findest du da ja ein günstiges Fahrrad, dass du kaufen kannst!“, flüsterte Hoffnungsvoll-Alina leise, damit es Realitäts-Alina nicht hören konnte. Naiv-Alina begann wieder zu lächeln und grinste noch mehr als Esoterik-Alina meinte: „Komm schon, bleib mal im hier und jetzt. Fühl das Gleichgewicht des Lebens, nimm die positiven Schwingungen und finde deinen Rythmus.“ Religions-Alina spottete, Humor-Alina begann noch breiter als Naiv-Alina zu grinsen und Realitäts-Alina musste sich übergeben, wofür sie reichlich von Sitten-Alina getadelt wurde. „Mir macht das hier auf einmal Spaß!“, lobte Humor-Alina die Schreib-Alina und ignorierte dabei egoistisch Gefühls-Alinas Erinnerung, dass sie immer noch müde sei.

Doch Nerv-Alina hatte es gehört und rechnete daraufhin lautstark aus, dass alle nur noch 5 Stunden schlafen könnten, bevor sie wieder aufstehen müssten. Hintergedanken Alina stellte sich währenddessen vor, dass Nerv-Alina morgen früh einfach nicht mehr aufwachen würde. Hinterfrag-Alina scheute sich jedoch nicht und fragte frech: „Warum ist Nerv-Alina eigentlich nicht bei Stress-Alina in Deutschland geblieben? Ich habe keine Lust mehr auf sie“.

Sofort nahm Vernunft-Alina die Nerv-Alina in Schutz und konterte: „Sie hat recht. Wir sollten alle schlafen gehen. Ich freue mich schon auf die Träume, da lernt man immer neue Alinas kennen.“
„Einverstanden!“, sprach Zufrieden-Alina für alle und Gefühls-Alina nahm Entspannt-Alina  beruhigt in den Arm, bevor alle erst ihre Münder und dann ihre Augen schlossen.

Nur Humor-Alina kicherte noch leise, Verrückt-Alina schaute sie irritiert an, da ging das Licht aus.

Tanzende Pferde

Jetzt bin ich schon seit fast 2 Wochen in Nicaragua und ich wage zu Behaupten das ich mich gut eingelebt habe, obwohl einleben hier für mich eine andere Bedeutung hat, da kein kunterbunter Tag dem anderen gleicht.

Erst am Samstag wurde es ruhiger, die Familie war ausgeflogen und ich war ganz alleine mit meinem Freund, dem Schaukelstuhl in der Sonne.

So ruhig war es lange schon nicht mehr, ich habe die Atmosphäre wirklich genossen und dachte sie würde noch einen ganzen Tag andauern. Irgendwann später kam noch Carsten vorbei und nach erfolgreichen Gitarre stimmen(Juhu!) haben wir Jungle Speed mit meinen Gastbrüdern gespielt, die mich übrigens inzwischen begeistert „sackalina“ nennen. (Diesen Namen hat mir mein Bruder Thomas bei skype eingebrockt, ja Danke ;)).

Abends kam mein dritter Gastbruder Josue nach Hause, der für mich ziemlich spontan Geburtstag hatte. Mit Buntstiften und deutscher Schokolade habe ich noch ein Geschenk improvisiert und bevor ich mich versah befand ich mich zwischen 10 Personen bei einer bunten Familienfeier. Als das Essen vorbei war, klopfte es an der Tür und ohne Vorwarnung kamen weitere 10 Familienverwandte, die irgendwie auch zum Teil hiergeblieben sind. Alina in einer großen Großfamilie, bueno.

Am Sonntag hat mir meine Gast-Oma Rosa Spanisch beigebracht, auf sehr interessante und witzige Weise. Wir saßen nebeneinander in den Schaukelstühlen und haben Bibel gelesen. Ich mit meiner deutschen Bibel und sie mit ihrer spanischen Bibel, aus der sie vorgelesen hat. Das spanische „Vater Unser“ (Padre Nuestro) habe ich bei dieser Gelegenheit auch gelernt. Es ist schön mit ihr über Kirche und Glauben zu „reden“ (inzwischen kann ich sogar manchmal einige Sätze auf einander beziehen), nur mit dem Papst und Maria kann ich nicht soviel anfangen, die hier in der katholischen Stadt sehr populär sind. Mal schauen wie es wird, wenn ich bald mal mit in eine Messe komme.

Gegen Nachmittag gab es Ausgleich Programm – Karneval in Ocotal. Mit zwei Jungs aus Somoto (Junior und Ramon) sind Carsten und ich in die 45 Minuten entfernte Stadt Ocotal gefahren (die Fahrt im Bus habe ich übrigens mit einem 6 Monate alten Baby im Arm verbracht, dass irgendjemand mir in den Arm gedrückt hat). In Ocotal angekommen wurde uns zunächst das Wort „caballo“(Pferd) beigebracht, dass ich persönlich liebend gerne mit dem Wort „cebolla“(Zwiebel) verwechsel. Es besser nicht zu verwechseln, merkte ich als ich den „Karneval“ sah. Anstelle von bunten Pappmasche Wagen (wie wir sie aus Münster kennen), tanzten gefühlte 1000 Pferde zur Musik(!) mit ihren als Cowboy verkleideten Reitern durch die Straßen von Ocotal. Das Ambiente der Veranstaltung lässt sich jedoch gut mit Deutschland vergleichen: Bier, viel Bier, ausgelassene Partystimmung und alle als Cowboys und -girls verkleidet. Süßigkeiten gibt es nicht, aber dafür ist die Musik, nach meinem Geschmack, viel besser. Zwischen 18 und 19 Uhr war der Spaß vorbei und mit der untergehenden Sonne ritten alle nach Hause, während wir zum Busbahnhof liefen um den letzten Bus nach Somoto zu bekommen. Leider kam kein letzter Bus. Während ich mir dir verheerende Folgen ausmalte, hatte Ramon bald Kontakt zu Leuten mit einem Pickup geknüpft. So konnten wir Gott sei Dank, hinten auf der Ladefläche zurück durch die Sternenklare Nacht nach Somoto schweben und da hinten zu liegen ist ein Hochgefühl für sich.

Meine Arbeit in Worte zu fassen fällt mir schwerer, obwohl ich sehr zufrieden dort bin. Es gibt Zeiten, da lässt sich die Arbeit eher als „Beschäftigungs-Therapie“ bezeichnen, z.B wenn wir Stundenlang Buchstaben oder Obst im Büro zeichnen und ausschneiden dürfen. Umso glücklicher bin ich dann, wenn wir mit ein paar Mitarbeitern in eine Comunidad raus fahren und ich erst mit einem lächeln, dann auch mit Worten mehr und mehr an den kleinen Projekten und Workshops zu Themen wie, Gender, Gewalt und Menschen Rechten mitwirken kann. Die Bewohner der Comunidades verstehe ich zwar schlechter, aber dafür bin ich von vielen wirklich beeindruckt. Bei der Herzlichkeit und Freude mit der wir empfangen werden, will man gar nicht wieder weg gehen. Selten bin ich mit leeren Händen zurückgekehrt, denn zumindest eine Probierportion von Früchten wird einem mitgegeben, oft auch Früchten die ich bis dahin noch nicht kannte. Am eindrücklichsten war die Erfahrung, als ich mir einen Fuß in einer Comunidad umgeknickt habe und ich mich zwischen „gerührt sein“ und „ das ist mir unangenehm“ nicht entscheiden konnte, als eine alte Dame mir liebevoll den Knöcheln mit einer grünen Salbe einrieb (auf dem Etikett der Salbe war übrigens eine Marihuana Pflanze abgebildet, nun denn der Schmerz war bald weg 🙂 )

Morgen gibt es hier vor Ort ein größeres Projekt, dass „nuestra Masculinidad“ (unsere Männlichkeit) heißt und darüber aufklären soll, dass z.B. Machismos nicht wünschenswert und auch nicht Naturgegeben ist… Ich bin schon gespannt wie ich da hin passe, ich mit meiner Männlichkeit… wink
Insgesamt kann ich sagen, dass ich sehr zufrieden hier bin und verhältnismäßig auch gesund.

Ich danke vielmals für die Rückmeldungen und Kommentare, es freut mich echt von euch zu hören!

Erste Eindrücke Somoto

Nach 4 Tagen in der Hauptstadt Managua und endlos scheinenden Seminareinheiten mit Sicherheits- und Gesundheitstipps bin ich mit einem schicken Dienstwagen nach Somto gefahren worden, wo ich nun das nächste Jahr leben werde.

Meine ersten Eindrücke sind alle positiv und sehr vielseitig, sodass ich gar nicht weiß wo ich anfangen soll zu erzählen.
Als ich in Somoto ankam, wurde ich zuerst meiner Gastfamilie vorgestellt, doch viel konnte ich davon nicht mitbekommen da mein Nicaragua-Spanisch wirklich noch in Kinderschuhen steckt. Aber zum Glück konnte ich noch andere in Kinderschuhen entdecken: meine kleinen Gastbrüder sind 5 und 10 Jahre alt und zu meiner großen Freude, ist „schüchtern sein“ für sie ein Fremdwort. Gleich wurde ich von Alejandro an die Hand genommen und wurde im Haus herumgeführt, Hund und Katze vorgestellt und in die Vielfalt seines Spielzeugs eingeweiht. Er entpuppt sich auch als genialer Sprachlehrer und erklärt mir diverse Vokabeln von Baum bis zur Regenrinne. Alles was eben da ist. Angel, der ältere ist auch klasse und super hilfsbereit. Ich habe kaum eine Chance was Schweres zu tragen oder die Nägel für mein Moskitonetz in die Wand zu hauen, denn Angel hilft bestimmt. Die Gastmutter Patricia scheint ein „Freundintyp“ zu sein, ist sehr bemüht, dass ich mich wohl fühle und bei ihr tut es mir besonders Leid, dass ich so wenig Spanisch spreche. Ansonsten sind hier verschiedenen Personen im Haus die kommen und gehen (ich weiß immer noch nicht, wer hier lebt, zu besuch ist oder abends wieder geht), mit denen ich mich noch nicht viel unterhalten konnte. Aber das kommt noch, schließlich sind alle die ich hier kennen gelernt hab echt nett.

Das Haus besteht aus mehreren aneinander gebauten Räumen in deren Mitte ein Gartenhof ist. Leider sind hier viele Mücken, doch dafür ist das Haus unglaublich gemütlich und die Fliesen sind so sauber, dass jede deutsche Hausfrau neidisch würde.
Weiterhin bin ich nur positiv überrascht, in meinem Zimmer hängt eine Gitarre und seit dem ich Fotos aufgehängt habe, fühle ich mich mehr und mehr Zuhause und merke dass all die materiellen Dinge, die ich dachte zu vermissen, gar nicht notwendig sind. Bett, Stuhl, kleines Regal, Spiegel – kurzum Alina ist zufrieden. Das Essen ist auch viel besser als ich erwartet hatte. Eigentlich wird hier mit sehr viel Fett gekocht, braten nennt sich eher frittieren und alles was süß sein könnte ist so süß, dass selbst ich als Naschkatze davor zurück schrecke. Doch hier in meiner Familie ist es zum Glück anders, ich freue mich täglich Obst und Gemüse zu probieren, deren Namen ihr noch nicht mal ausspreche könnt. 😉

Von neue Erfahrungen und Bildern könnte ich bestimmt 4 Seiten schreiben, doch versuche ich es kurz zu halten. Am Wochenende haben die drei Vorgänger-Freiwilligen eine Abschiedsparty gefeiert und so habe ich die ersten Salsa Schritte schneller gelernt als ich mir hätte träumen lassen. Am folgenden Tag sind wir(Vorgängerin Inga, Gastbruder Angel, Mitfreiwilliger Carsten und ich) in die Comunidad La Playa gefahren, wo wir Freunde von Inga besucht haben. Die Straßen und Häuser waren aus Lehm, Wasser wurde mit Eimern herbei geschafft und insgesamt schien La Playa für mich wie eine Vorwarnung auf die Armut zu sein, die ich in den nächsten Comunidades beim Arbeiten kennen lernen werde. Unterhalb der Comunidad liegt die beruhigende Schönheit eines Flusses an dessen Ufern wir den Nachmittag mit Entspannen und Staunen über 10cm große blaue Schmetterlinge verbracht haben, bevor es mit einem filmreifen Holperbus zurück ging.

Heute war mein erster „Arbeits“-tag, alle machen einen netten Eindruck und wir wurden mit den Mitarbeitern von dem Chef zum Mittagessen eingeladen und haben Arbeits- und Rahmenbedingungen besprochen(bzw. gerätselt, da Carsten ähnlich viel Spanisch spricht wie ich).
Zum Glück ist unsere Projektfreiwillige Maryam noch eine Woche da, die geduldig übersetzt und uns eine Spanischnachhilfe Lehrerin organisiert hat. So werde ich bald mit mehr Nicaragua-Spanisch-Kenntnissen mehr über meine Arbeit berichten.

Jetzt gibt’s erst mal Abendessen, vielleicht Gallo Pinto… 🙂

PS: Wer Hypermotiviert bis zum Ende gelesen hat und noch mehr will, kann Carstens Somoto Eindrücke lesen: www.carstenmohr.com Viel Spaß! 😉

Managua

Ich bin gelandet! In einer Sauna, vielleicht auch im Tropenhaus. Als wir nach einem unkomplizierten Flug (alle mit vollständigem Gepäck!) in der dunklen Hitze ankamen, war ich mehr als 24Stunden wach und nahm alles nur wie in einem Traum wahr: Der kleine Minibus der uns 21 Nica-Freiwillige abholte, durch das Getümmel der Großstadt fuhr und schließlich vor einem luxuriösen Hotel anhielt.
Dass es doch kein Traum war, realisierte ich endlich als ich in einem klimatisierten Raum erwachte und es Gallo Pinto (Nationalgericht: Reis mit Bohnen) zum Frühstück gab.
Der heutige Tag war sehr entspannt: die lustige harmonierende Freiwilligengruppe wurde wieder in einen Kleinbus geladen und eine Sightseeing der besonderen Art begann. Begleitet von zwei in Nicaragua aufgewachsenen Deutschen fuhren wir durch Managua, besichtigten das historische Stadtzentrum wie politische Versammlungsorte. Anschließend besichtigten wir noch umliegende Städte, eine Lagune, kleine Kunsthandmärkte und wurden währenddessen die ganze Zeit mit Informationen und Tipps versorgt.
Wusstet ihr dass es in Nicaragua keine Straßennamen gibt? Alles wird nur von öffentlichen Gebäuden und „bekannten“ Plätzen in Richtungen beschrieben.
Gegen Mittag (also bei euch ca. 22Uhr) hielten wir in einer kleinen Projektbücherei in dem Ort Dirijamba, wo wir von den Projektleitern mit landestypischen Spezialitäten-Buffet versorgt wurden.
Die Stimmung ist allgemein sehr gut, der eine oder andere ist noch müde, wundert sich über die Hitze und klagt über Magen oder Kopfschmerzen. Mir geht es hervorragend und meine Gedanken sind schon in Spannung und Vorfreude in Somoto, wo ich gemeinsam mit Carsten am Samstag hingefahren werde.
Jetzt sitze ich mit zerstochenen Beinen im Bett und die Warnung, dass es morgens mittags und abends Gallo Pinto gibt, hat sich bestätigt. 😀
Es ist nach Ortszeit erst 20:05 und ich beschließe ernsthaft ins Bett zu gehen, schließlich ist es bei euch schon 4:06 und ihr schlaft hoffentlich schon alle brav.
Die liebsten Grüße aus der Sauna!